Landhausputz

Auf dem Dorf zuhause

Dem Begriff „Landhausstil“ haftet etwas Künstliches an, da häufig versucht wird, Elemente des dörflichen Lebens unkritisch im modernen, urbanen Kontext abzubilden und so die Kulisse einer (vermeintlichen) ländlichen Idylle zu reproduzieren. Der sogenannte Landhausputz ist diesem Schicksal bisher entgangen. Diese traditionelle Putztechnik findet sich tatsächlich fast ausschließlich in ihrem angestammten ländlichen Umfeld. Dort aber hätte sie eine Renaissance verdient.

Mineralische Putze fügen sich mühelos in verschiedene Umgebungen ein und bieten viel Gestaltungsspielraum. Durch traditionelle Verarbeitungstechniken bieten die natürlich durchgefärbten Putze ein großes Spektrum an Strukturen und Farbtönen. Dabei hat das vielseitige Material das Potenzial, Innen- und Außenraum fließend miteinander zu verbinden. Auch aus Gründen des Klimaschutzes schätzen viele Planende mineralische Putze. Sie sind besonders langlebig und bestehen ausschließlich aus regional verfügbaren Komponenten. Im Laufe der Zeit haben sich regionale Besonderheiten herausgebildet und auch typische „Stadtputze“, wie zum Beispiel Steinputz, und „Landputze“ wie der Landhausputz. 

Landhausputz und seine Spielarten

Unter dem Oberbegriff Landhausputz sammeln sich verschiedene Strukturvarianten eines Filzputzes, die in der Regel robust und rustikal wirken. Aber auch eine sehr reduzierte Ausführung ist möglich. Wer heute von einem Landhausputz spricht, zielt meist auf ein kräftiges Filzbild. Gerade bei älteren Bestandsobjekten greifen Planungsbüros gern auf Landhausputze zurück, um so bewusst leichte Imperfektionen herbeizuführen. Harte Übergänge werden egalisiert, ohne jedoch eine vollkommen perfekte Oberfläche erzielen zu wollen. 

Klassischer Landhausputz

Bei der „klassischen“ Form des Landhausputzes wird der Putz in einer Dicke von ca. 5 mm aufgezogen und danach mit einer Kelle geglättet. Mittels eines Schwamms oder Quasts lässt sich die Oberfläche anschließend strukturieren. Durch das wiederholte Wischen und Glätten ergibt sich eine verhältnismäßig glatte, jedoch unebene Oberfläche mit unregelmäßigen Erhebungen. Eine Spielart des Landhausputzes ist der Beulenputz, der wohl als eine rustikale Interpretation des Brutalismus klassifiziert werden könnte. Dabei wird vor dem Verquasten nochmals partiell zusätzlich Material aufgebracht, das danach wieder verflacht wird. 

Verwaschener Kellenstrichputz

Großen Gestaltungsspielraum bieten Putztechniken, bei denen der Handwerker den Putzmörtel mit der Kelle modelliert. Die Technik erfordert einen festen Untergrund und einen leicht aufziehbaren und gleichzeitig gut formbaren Mörtel. Der Putz wird mittel- bis dickschichtig aufgetragen. Danach wird entweder die Spitze oder die Kante der Kelle in das aufgetragene Material gedrückt. Die fertige Putzfassade weist ein deutliches Relief auf, doch sollten die entstandenen Aufwerfungen an den Rändern eine Dicke von 5 mm nicht überschreiten, um die Flächenwirkung des Putzes nicht zu beeinträchtigen. Teilweise wird die Kelle oder Glättkelle leicht bogenförmig gezogen, sodass eine aufgefächerte Struktur entsteht, die an Dachziegel oder Fischschuppen erinnert. Die Oberflächen der so strukturierten Putze können anschließend mit einem Schwamm noch leicht verwaschen werden. Dadurch wirkt die Oberfläche ruhiger und geschlossener. Für besondere Varianten kommen auch Spitz- und Zungenkellen zum Einsatz.

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