Wohnbebauung Duisburg-Rheinhausen

ZEITZEICHEN

Architektur ist dem Wandel unterworfen: Sie erzählt die Geschichte der Zeit, in der sie entstanden ist. Neben der Formensprache verändert sich auch das eingesetzte Material. Bei einem neuen, von Druschke und Grosser Architektur geplanten Mehrfamilienhaus in Duisburg lassen sich diese Veränderungen vor allem an der Gebäudehülle ablesen.

Auf dem ehemaligen Postschulgelände an der Friedrich-Alfred-Straße in Duisburg-Rheinhausen besetzt ein neues Mehrfamilienhaus das letzte freie Grundstück. Die Bauherrin GEBAG GmbH vergab den Auftrag an Druschke und Grosser Architektur, die vor knapp zwanzig Jahren bereits mehrere Wohngebäude sowie das Ärztehaus auf diesem zentrumsnahen Gelände realisiert hatten. Auf einer Fläche von rund 1.000 m² wurden vierzehn sozial geförderte, barrierefreie Wohnungen von 46 bis 94 m² Wohnfläche realisiert. Trotz des begrenzten Budgets ist ein Baukörper aus hochwertigen Materialien entstanden, der sowohl Singles als auch Familien ein freundliches Zuhause bietet.

Plastische Fassade

Um das freie Grundstück effektiv auszunutzen, wurde der Neubau möglichst dicht an die Bestandsbauten gesetzt. Mit seinen plastischen Vor- und Rücksprüngen fügt sich das neue Mehrfamilienhaus in die Formensprache der mit Erkern versehenen Gründerzeithäuser ein und greift deren Volumina auf. So kragen beispielsweise Balkone an der Südfassade aus, während durch Loggien sowie den Eingangsbereich mit dahinter verortetem Treppenhaus Vertiefungen in der Fassade entstehen. Die Durchfahrt zum Innenhof mit darüber liegenden Wohnungen bildet eine Leerstelle im Sockelgeschoss, die den offenen Charakter des Baus unterstützt. Darüber hinaus hebt die farbliche Gestaltung der Putzfassade den plastischen Eindruck der Gebäudehülle hervor. Außer den Loggien wurden alle zurückspringenden Elemente mit einem ockerfarbenen Edelkratzputz versehen. Die anderen Bereiche wurden weiß verputzt.

Das Farbkonzept zitiert die Farben der umgebenden Architektur. Bereits mit den 2001 auf diesem Areal fertiggestellten Wohnhäusern knüpfte das Architektenduo mit verschiedenen Rottönen an die Farben der bestehenden Backsteinbauten an. Knapp zwanzig Jahre später stellte sich die Frage, ob sich das neue Gebäude farblich anpassen oder als Solitär stehen sollte. Die Planer entschieden sich für einen Mittelweg: Mit seinem warmen Ockerton fügt sich der Neubau in die Umgebung ein, positioniert sich durch die leichte Farbabweichung aber gleichzeitig als eigenständiger Baukörper.

Wandel in der Fassadengestaltung

Die verschiedenen Bauten auf dem ehemaligen Postschulgelände in Duisburg lassen erahnen, wie sich die architektonische Haltung in den vergangenen zwanzig Jahren verändert hat. Druschke und Grosser Architektur entwarfen bereits 1999 bis 2001 mehrere Wohnhäuser in dieser Siedlung. 2002 wurde darüber hinaus auch das von ihnen geplante Ärztehaus als räumlicher Abschluss der Fußgängerzone Friedrich-Alfred-Straße fertiggestellt. Was sie vereint, ist die kubische Formensprache, die allen Entwürfen zugrunde liegt. Der direkte Vergleich der Wohnhäuser zeigt hingegen feine Unterschiede im Wandel der Zeit: Gebäudehüllen wurden zunehmend als ganze Volumen entwickelt, die mit ausgestanzten Elementen arbeiten. Während die Reihen- und Mehrfamilienhäuser mit vorgesetzten Balkonen additiv entwickelt wurden, werden diese bei den neueren Gebäuden als Teil der Kubatur in den Baukörper integriert und als Loggien ausgebildet. Die Wohngebäude kommen mit nutzungsbedingt eher kleinen Öffnungen aus, doch wurden für Sonderbausteine wie das Ärztehaus – früher wie auch heute – oftmals großzügige Fassadenflächen eingesetzt, die dem massiven Baukörper Leichtigkeit vermitteln und einladend wirken.

Offen vs. privat

Der Neubau von 2019 kombiniert Elemente der Bestandsbauten und transformiert sie in die heutige Zeit. Indem die Planer mit den geschlossenen Flächen der älteren Wohnhäuser sowie den offenen Elementen des Ärztehauses spielen, erfüllt das neue Mehrfamilienhaus zeitgemäße Ansprüche. Lichtdurchflutete Räume sorgen dank großzügiger und teils bodentiefer Fenster für ein wohnliches Ambiente, während die geschützten Loggien gleichzeitig Privatsphäre bieten. Auf großformatige Glasflächen, wie sie beispielsweise am Ärztehaus eingesetzt wurden, verzichteten die Architekten hier bewusst, um die Wohnräume vor solarer Aufheizung zu schützen.

Wandel des Materials

Auch die verwendeten Baustoffe und -materialien sind heutzutage andere als vor zwanzig Jahren. Es wird vorausschauender und auch nachhaltiger geplant und gebaut. Aufgrund gestiegener gesetzlicher Anforderungen sowie gewandelter Ansprüche werden das energetische Niveau und die entsprechenden Maßnahmen frühzeitig in die Planung einbezogen. Auch bei der Wahl der Dämmsysteme hat sich einiges verändert. Insbesondere in den letzten Jahren hat das Bewusstsein für die Vorteile mineralischer WDV-Systeme zugenommen. Auch Druschke und Grosser Architektur überzeugten den Bauherren, die Fassade in Teilflächen mithilfe von mineralischer Dämmung und Edelkratzputz zu gestalten. So altert die Fassade langsamer und ist weniger empfindlich gegenüber Algen und Pilzen.

Daten + Fakten

Objekt
Wohnbebauung Friedrich-Alfred-Straße, Duisburg-Rheinhausen

Bauherr
GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH

Architekt
Druschke und Grosser Architektur, Architekten BDA, Duisburg, Projektleiter Frank Meuleneers

Fassade
Schlicht Stuck und Putzgesellschaft mbH, Oberhausen

Bildrechte
Annika Feuss, Jochen Helle

Damit wurde gebaut

Oberputz
mineralischer Kratzputz weber.top 204 AquaBalance

Dämmung
weber.therm A 100 WDVS

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