Robert Wetzels

Bauen an exponierten Orten in der Stadt

In vielen Städten, vor allem in Berlin, scheint es derzeit keine städtebauliche Alternative zur Blockrandbebauung mit einheitlicher Traufhöhe zu geben. Bricht das Facharztzentrum Beuel mit diesem Trend?

Das hoffe ich! Die einheitliche Traufkante ist altbewährt und relativ risikolos, aber sicher kein Allheilmittel. Wir sind an Vielfalt interessiert und wagen auch neue Ansätze. In Beuel haben wir uns beispielsweise zur Aufgabe gemacht, ein Reststück der alten Blockrandbebauung mit denkmalgeschützten Wohnhäusern sowie die bestehenden Freiräume und den Riegel des in den 1960er Jahren erbauten Rathauses in ein Ensemble zu integrieren.

Welche Funktionen müssen Gebäude wie das Facharztzentrum erfüllen, um einen Beitrag zur Lebendigkeit einer Stadt zu leisten?

Sie müssen neben attraktiven Nutzungen vor allem eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Dafür steht die gesamte Freiraumgestaltung, insbesondere die Idee des frei zugänglichen Stadtbalkons mit Blick auf die Kennedybrücke. Davon mussten wir den Investor erst überzeugen – schließlich handelt es sich um private Flächen. Seit im letzten Jahr ein Pächter für die Gastronomie gefunden wurde, geht dieses Konzept auf.

Warum haben Sie die geflieste Fassade gewählt?

Im Wettbewerbsentwurf hatten wir noch eine Glasfassade vorgesehen. Diese wurde, nachdem die Nutzung als Facharztzentrum feststand, zugunsten einer Lochfassade verworfen. Geflieste Fassaden waren früher im Rheinland weit verbreitet. Diese Bautradition haben wir mit der Ästhetik und den technischen Mitteln unserer Zeit neu interpretiert. Dadurch konnten wir die Baukörper so ausdrucksstark gestalten, wie wir es für diese exponierte Lage angemessen finden.

Warum haben Sie sich für eine Edelkratzputzfassade entschieden?

Als uns klar war, dass es eine Putzfassade werden soll, haben wir sofort gesagt, dass es kein Wärmedämm-Verbundsystem mit Styropor und nur einem Hauch von Putz sein kann. Es sollte etwas Handwerkliches werden, mit einer vernünftigen Schichtdicke. So sind wir letztendlich bei Saint-Gobain Weber gelandet. Um einen Putz auszuwählen, waren wir mit vielen Mustern bei verschiedenen Lichtstimmungen vor Ort. Gemeinsam mit der Denkmalpflege fiel unsere Wahl auf einen Kratzputz, bei dem sich die Schlämme rauswäscht und durch Zuschlagstoffe die eigene Farbe entsteht. Nach einigen Jahren kann man jetzt feststellen, dass sich die Fassade langsam verändert. Das finde ich schön.

Zur Person

Robert Wetzels, Architekt BDA, gründete nach Stationen bei Kees Christiaanse, Peter Eisenman und ASTOC das eigene Büro bob-architektur. Seit 1998 bearbeitet das Kölner Team die gesamte Bandbreite der Architekturthemen, angefangen bei Analysen und Konzeptstudien über die Entwurfs- bis hin zur Bauphase. Im Rheinland verwurzelt, ist Robert Wetzels Mitglied des Gestaltungsbeirats der Stadt Moers. Seit 2015 lehrt er zudem „Ökologisches Entwerfen“ an der Bergischen Universität Wuppertal.

bob-architektur
Innere Kanal 100, Colonius
50672 Köln

www.bob-architektur.de

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