Klimaschutzsiedlung Dilldorfer Höhe, Essen

Sachlich & freundlich

Die Klimaschutzsiedlung Dilldorfer Höhe vereint die großen aktuellen Themen des Siedlungsbaus mit einer hohen Wohnqualität.

Das Wohnen im Ruhrgebiet ist von Siedlungen geprägt. Vor allem in Zeiten der rasanten Industrialisierung benötigte man viel Wohnraum für die wachsende Bevölkerung. So entstanden in den vergangenen 150 Jahren zahlreiche auf dem Reißbrett geplante Wohnanlagen, die sich in ihrem geschlossenen städtebaulichen Charakter deutlich von organisch gewachsenen Ortschaften unterscheiden. Im Idealfall versprachen die Zechen- oder Werkssiedlungen qualitätsvolles Wohnen zu moderaten Kosten. Ein Anspruch, der bis heute gültig ist. Zusätzlich hinzugekommen sind die Anforderungen an umweltverträgliches und energieeffizientes Bauen für alle Lebensphasen.

Leuchtturmprojekt für Essener Wohnungsbaugesellschaft
Passend dazu rief die nordrhein-westfälische Landesregierung im Jahr 2009 das Projekt „100 Klimaschutzsiedlungen in NRW“ ins Leben, an dem sich das kommunale Wohnungsunternehmen Allbau AG aus Essen gerne beteiligte. Im Süden der Stadt, direkt oberhalb des Ruhrtals, fand sich ein passendes Baufeld auf der Konversionsfläche einer ehemaligen Kaserne. In zwei Bauabschnitten wurden hier 51 Wohneinheiten für junge Familien, Senioren und Singles in Einfamilienhäusern und dreigeschossigen Stadthäusern errichtet. Gemäß dem Anspruch einer Klimaschutzsiedlung erreichen die Gebäude mindestens KfW-55-Effizienzhaus-, einige sogar Passivhaus-Standard. Alle Wohnungen sind ebenerdig oder mit dem Aufzug erreichbar sowie mit barrierearmen Bädern ausgestattet. Parkettböden, Gäste-WCs mit zusätzlichen Duschen und eine offene Grundrissgestaltung bei Wohnungs- und Hausgrößen von 60 bis 142 m2 entsprechen heutigen Komfortwünschen. Zwei Tiefgaragen sorgen dafür, dass das Wohngebiet zwischen den Häuserzeilen nahezu autofrei bleibt.

Die Planung der Klimaschutzsiedlung Dilldorfer Höhe übernahm das Büro Druschke und Grosser Architektur. Auf der Basis einer städtebaulichen Planung aus dem Jahr 1996 entwickelten die Duisburger Architekten ein Konzept, das sich zwar an den starren Baufenstern orientiert, deren Strenge jedoch zu brechen versucht. Das Ergebnis ist eine sachliche Architektur mit kubischen Baukörpern, die gleichzeitig locker und freundlich wirkt. Spielraum fand sich vor allem bei der Fassadenkomposition. Durch unregelmäßig verteilte französische Fenster, akzentuierte Fensterfaschen sowie eine wechselnde Farbigkeit entsteht ein Rhythmus, der den Fassaden ein freundliches Gesicht gibt. Die Farbgestaltung der Gebäude steht im Spannungsfeld zwischen Sachlichkeit und Lebendigkeit: Grau strahlt vornehme Zurückhaltung, Neutralität und Ruhe aus. Die gegenübergestellten Haushälften in kräftigem Gelb vermitteln Licht, Lebensfreude und Frische. Zusammengenommen fügen sich die Farben hervorragend in die Naturfarben der umgebenden Naherholungsflächen ein.

Baulicher Wärmeschutz und Anlagentechnik im Einklang
Das wesentliche Ziel des Projektes „100 Klimaschutzsiedlungen“, die Reduzierung der wärmebedingten CO2-Emission von Wohngebäuden, wurde bereits früh in der Planung verankert. Das Planungsteam setzte dabei insbesondere auf moderne Technologie. Im Bereich der Anlagentechnik kombinierte man Solarthermie, Geothermie, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und Gas-Brennwertgeräten der neuesten Generation gemäß den Erfordernissen der verschiedenen Haustypen. Durch diese Maßnahmen wurde für die Mehrfamilienhäuser ein Primärenergiekennwert von nur 24 bis 27 kWh/m2a, bei den Einfamilienhäusern von 32 kWh/m2a im Mittel erreicht.

Alle Mehrfamilienhäuser sind mit intelligenten Zählern ausgestattet, so dass die Verbrauchswerte elektronisch ablesbar sind. Mithilfe der Daten kann langfristig überprüft werden, in welchem Verhältnis der berechnete Energiebedarf mit den tatsächlichen Verbrauchswerten übereinstimmt. Fest installierte Tablet-PCs in einzelnen Wohnungen ermöglichen auch den Bewohnern ein direktes Feedback über ihren aktuellen Energieverbrauch und dienen gleichzeitig der Kommunikation zwischen Mieter und Vermieter.

Dämmung zur Fassadengestaltung genutzt
Die kompakten Baukörper der Klimaschutzsiedlung wurden hinsichtlich eines günstigen A/V-Verhältnisses optimiert. Den Grundsätzen des solaren Bauens folgend öffnen sich die Energiegewinnfassaden zur Südseite hin, während auf der Nordseite Fenster- und Glasflächen reduziert wurden. Die Gebäude wurden in Massivbauweise aus einer 175 mm starken Innenschale aus Kalksandstein erstellt. Für den optimalen Wärmeschutz sorgen Fenster mit einer 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung sowie ein mineralisches Wärmedämm-Verbundsystem mit einer 260 bis 300 mm starken EPS-Dämmung. Große Sorgfalt bewiesen die Architekten im Umgang mit der beträchtlichen Dämmstärke. Sie wurde genutzt, um abgeschrägte Faschen an den Fenstern auszubilden. Frei auf den Fassaden verteilt, erhöhen die Schrägen den Lichteinfall für die Wohnungen und betonen die Plastizität der Bauvolumen. Den Abschluss des Wärmedämm-Verbundsystems bildet ein dickschichtiger mineralischer Edelkratzputz, der die Fassadenkomposition durch seine Struktur und einen Anteil an Glimmerspat unterstützt. So entsteht ein reizvolles Spiel von Licht und Schatten auf der Oberfläche. Nicht zuletzt hat sich der Edelkratzputz bei Wohnungsbaugesellschaften durch seinen geringen Wartungsaufwand und seine Dauerhaftigkeit seit langem bewährt.

Die ersten Bewohner zogen im Oktober 2012 in die Gebäude ein. Bis Ende 2013 wurden auch die Wohnungen des zweiten Bauabschnitts an die Mieter übergeben. Sie leben in einer unaufgeregten Siedlung mit Vorbildcharakter, die die Bautradition des Ruhrgebiets in die heutige Zeit übersetzt.

Daten + Fakten

Objekt
Klimaschutzsiedlung Dilldorfer Höhe, Essen

Bauherr
Allbau AG, Essen

Architekt
Druschke und Grosser Architektur, Duisburg

Fotograf
Thomas Riehle/Artur Images

Damit wurde gebaut

WDVS
weber.therm B100

Dämmstoff
Polystyrol-Hartschaum, WLG 035, Stärke 260 – 300 mm

Oberputz
weber.top 204 mineralischer Edelkratzputz körnig, Dicke 10 mm

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