Die Vielfalt der Klinkerfassade

Moderne Interpretation von Backsteinmauern

Klinkerfassaden werden immer beliebter. Kein Wunder: Die bei hohen Temperaturen gebrannten Klinker und ihre moderne Variante, die Klinkerriemchen, sind widerstandsfähig, wartungsarm und zeichnen sich durch eine große Gestaltungsvielfalt aus.

Der Backsteinexpressionismus erlebt aktuell eine Renaissance. Die architektonische Stilrichtung, die sich in den 1920er Jahren insbesondere in Norddeutschland und im Ruhrgebiet ausprägte, entwickelte sich parallel zur neuen Sachlichkeit des Bauhauses. Im Gegensatz zu dieser zeichneten sich die im Stil des Backstein- oder Klinkerexpressionismus errichteten Gebäude durch eine ornamentale Formensprache mit rauen, kantigen, oft spitzen Elementen aus. In der gegenwärtigen Architektur wird Klinker immer häufiger in Form von Mischfassaden aufgegriffen. Putzfassaden werden mit Klinkerflächen kombiniert, um die natürliche Wirkung mineralischer Oberflächenstrukturen mit einem strengen geometrischen Fugenraster zu kontrastieren.

Eine Fliese in Wabenform

Klinkerriemchen sind die schlanke Variante von Vollklinkern. Wie diese werden sie bei sehr hohen Temperaturen von 1100 bis 1300 °C gebrannt und nehmen dadurch kaum Feuchtigkeit auf. Im Unterschied zu Klinkersteinen weisen Riemchen jedoch lediglich eine Dicke zwischen 9 und maximal 25 mm auf. Die Form von Klinkerriemchen ist in den meisten Fällen rechteckig, wobei die Maße variieren. Neben dem Normalformat werden auch besonders schlanke und breite Dünnformate sowie Riemchen im so genannten Reichsformat gefertigt (siehe Kasten). Sonderformate wie Dreiecke sind eher eine Seltenheit, sorgen dafür aber umso mehr für einen Blickfang. So ließ das Kölner Büro bob-architektur für das Facharztzentrum Bonn-Beuel eigens eine silberfarbene, dreieckige Keramikfliese mit einer Kantenlänge von 13 cm anfertigen. Das ungewöhnliche Sonderformat wurde in einer Wabenform produziert, von Hand gebrochen und einzeln verklebt.

Von Farbe, Struktur und Verbänden

Klinker-Kollektionen werden in einer breiten Auswahl an naturnahen Farbtönen wie Grau, Braun, Ziegelrot und Ocker, aber auch in kräftigen Farben wie Blau und Gelb angeboten. Dabei sind die meisten Kollektionen nicht streng einfarbig, vielmehr changieren die Farben einzelner Klinkerriemchen und lockern so das streng geometrische Flächenbild auf. Ob glatt oder leicht bis stark strukturiert – auch die Oberfläche trägt zur Wirkung in der Fläche bei. Besonders glatt und glänzend sind beispielsweise glasierte Riemchen, die an Londoner U-Bahnstationen erinnern. Andere wiederum wirken durch ihre raue, matte Oberfläche besonders rustikal. Neben Format und Oberflächenbild ist auch die Art des Mauerverbands entscheidend für die Wirkung der Klinkerriemchen in der Fläche. Dabei wechseln sich Läufer – also ganze Riemchen – mit sogenannten „Köpfen“ ab, deren Name sich aus den Stirnseiten von Backsteinen ableitet und die passgenau zugeschnitten werden. Man unterscheidet verschiedene Mauerverbände: Beim Blockverband werden Läufer und Köpfe in den Reihen abgewechselt. Einen Läuferverband erzielt man, wenn die Reihen jeweils um einen halben Läufer versetzt angebracht werden. Aber auch Mosaike oder Ornamente lassen sich mit Klinkerriemchen realisieren.

Das System im Detail

Klinkerriemchen eignen sich hervorragend als Oberflächenfinish auf Wärmedämm-Verbundsystemen, entweder vollflächig oder zur kombinierten Gestaltung aus Klinkerflächen und mineralischen Edelputzen. Mithilfe moderner WDV-Systeme wie beispielsweise weber.therm AK 500 lässt sich schnell und einfach eine wärmebrückenfreie Gebäudehülle herstellen. Die Dämmplatte besteht aus Mineralwolle, wodurch man im Zusammenspiel mit den gebrannten Klinkerriemchen einen vollmineralischen, nicht brennbaren Systemaufbau erzielt. Für die Befestigung der Klinkerriemchen kommt ein systemeigener Klebemörtel mit extrem hoher Klebkraft und Elastizität zum Einsatz. Bei der Verklebung der Riemchen muss das kombinierte Verfahren „Buttering and Floating“ angewendet werden. Dabei wird der Klebemörtel auf die Armierungsschicht und auf die Rückseite der keramischen Bekleidung aufgetragen. Die Wahl des Fugenmörtels trägt als zusätzlicher Gestaltungsfaktor zum Gesamtbild der Fassade bei. So kann neben einer kontrastarmen oder -reichen Farbe auch die Struktur der Körnung oder die Tiefe der Fuge die Fläche beeinflussen: Ist die Fuge tief, rücken die Klinkerriemchen in den Vordergrund, ist die Fuge bündig mit den Klinkern, wirkt die Fläche aufgeräumter.

Riemchenformate

Normalformat: 240 x 71 mm

Dünnformat: 240 x 52 mm

Reichsformat: 240 x 65 mm

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