DATA & FACTS
BAUTEN-01.10.2014
Daten + Fakten

Objekt: Akademie des Jüdischen Museums Berlin im Eric F. Ross Bau

Bauherr: Stiftung Jüdisches Museum Berlin

Architekt: Bruno Grimmek, Berlin (Blumengroßmarkthalle 1962-1965) Architekt Daniel Libeskind AG, Zürich (Akademie 2010-2013)

Fotograf: Olaf Rohl, Aachen

Damit wurde gebaut

Hohlbodensystem mit Weber DesignFloor, bestehend aus Oberbelag: weber.floor 4650 zementgebundene, polymermodifizierte Bodenausgleichsmasse, Farbe: G 60

Unterkonstruktion: Floor And More Power und Cavopex von Lindner

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Dialog im Zwischenraum

Neubau: Akademie des Jüdischen Museums Berlin

In eine alte Markthalle baute Daniel Libeskind nach einem Haus-im-Haus-Konzept drei Kuben ein. Diese durchdringen die Fassade und gliedern den Innenraum.

Museen sind heute nicht nur Orte des Bewahrens oder Ausstellens. Sie stehen zunehmend in Konkurrenz zu einer Vielzahl von Freizeiteinrichtungen mit hohem Erlebnischarakter. Als Folge verstehen sich immer mehr Museumsbetreiber als kulturelle Dienstleister mit wichtiger Schnittstellenfunktion zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Sie wandeln Museen zu Orten der aktiven Bildung, der Begegnung und des Dialogs. In besonderer Weise gilt dies für die Akademie des Jüdischen Museums Berlin.

Das Jüdische Museum Berlin vermittelt seit langem jüdisch-deutsche Geschichte und Kultur und gehört mit über einer halben Million Besuchern pro Jahr zu den meistbesuchten Museen der Hauptstadt. Unterstützt wird es von der gleichnamigen Stiftung und der Bundes­republik Deutschland. Das Museum umfasst zwei Gebäudekomplexe, das barocke Kollegienhaus sowie den damit unterirdisch verbundenen Neubau von Daniel Libeskind. Das moderne Bauwerk führt Besucher auf drei sich kreuzenden Achsen und auf einer Zickzackroute durch 60 Abschnitte; die beherrschenden Materialien sind Sichtbeton und Titan-Zink. Die Architektur macht dabei Aspekte der jüdisch-deutschen Geschichte sinnlich erlebbar, wie Orientierungslosigkeit im „Gartendes Exils“ oder Angst und Beklemmung im „Holocaust-Turm“.

Die Bestände des Archivs haben sich mit 2.000 Nachlässen seit der Eröffnung des Museums 2001 mehr als verdreifacht. Zudem benötigte das Museum zusätzliche Räume, um dem selbst gesetzten Anspruch gerecht zu werden, einen Ort der Forschung und Diskussion zu schaffen. Diese Auseinandersetzung soll sich nach dem Willen des Stiftungsrats nicht allein der jüdischen Geschichte und Gegenwart widmen, sondern das Spektrum um die Themen Migration, Integration und multi­kulturelle Gesellschaft erweitern. Die genannten Anforderungen machten die Erweiterung des Museums um ein Akademiegebäude not­wendig, die in Form des neuen Eric F. Ross Baus realisiert wurde. Den Auftrag dazu erhielt wiederum Daniel Libeskind.

Zwischenräume schaffen ungewöhnliche Perspektiven

Für die neue Akademie wurde 2009 eine ehemalige Blumengroßmarkthalle gegenüber dem Jüdischen Museum erworben und umgebaut. Die planmäßige Eröffnung fand im November 2012 statt. Verbunden ist das Gebäudeensemble durch einen großen Platz, der an die Lindenstraße anschließt. Dieser Platz, der 2013 „Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz“ getauft wurde, bildet einen nüchternen und zurückhaltenden Rahmen für die Akademie. „Die Akademie ist ein sehr interessanter Ort. Sie ist eine Art Zwischenraum, weil sie mit der Architektur des Jüdischen Museums verbunden ist, sowohl geometrisch und räumlich als auch konzeptionell und spirituell“, erklärt Daniel Libeskind.

Der amerikanische Architekt hat die ursprüngliche Markthalle weitgehend erhalten und in ihrer großzügigen Grundfläche von rund 6.500 m² nach einem Haus-im-Haus-Konzept drei schräge Kuben ein­gebaut. Einer der mit Holz verkleideten Würfel durchdringt die Fassade der ehemaligen Markthalle und greift im Sinne des gesellschaftlichen Bildungsauftrags von der Akademie in die Stadt ­hinein. Zwei weitere schräge Holzkuben gliedern den Innenraum und schaffen Einblicke in die von Daniel Libeskind entworfenen „Zwischen­räume“: „Der erste Kubus durchbricht das Gebäude“, erläutert Libeskind. „Von außen sieht man den Einschnitt, man kann durch diesen Kubus hindurchschauen und erkennen, dass es noch zwei weitere Kuben gibt. Diese sind einer Kiste ähnlich und nicht ganz stabil, aber dynamisch, und finden auf eine Art ihren Platz.

Zwischen ihnen entsteht ein sehr interessanter Zwischenraum inmitten der Bibliothek, dem Archiv, dem Mehrzweckraum, dem Auditorium und dem Eingangsbereich, den man von der Straße aus sehen kann“, so Libeskind. Die Blickachsen und Durchgänge verlaufen nicht direkt, sondern schräg und gebrochen. Im Zentrum der weitläufigen Halle befindet sich der „Garten der Diaspora“, in dem in Hochbeeten Pflanzen verschiedenster Provenienz angesiedelt sind.

Die Kuben erinnern an hölzerne Überseekoffer und stehen symbolisch für die Vermächtnisse, die dem Jüdischen Museum Berlin aus aller Welt zugehen, in der neuen Akademie bewahrt und jetzt einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Sensibler Umgang mit dem Bestand durch Haus-im-Haus-Konzept

Der Entwurf und seine Umsetzung gehen sensibel mit dem Bestandsgebäude und seiner Umgebung um. Die charakteristischen Shed-Dächer der Halle blieben erhalten. Nur im Eingangsbereich und an den Seitenflügeln wurde die Fassade unterhalb des Vordachs für die Belichtung der Büros erneuert. Die architektonische Qualität der Halle wurde in ihrer groben Materialität erhalten und nicht durch zusätzliche Dämmung oder Klimatechnik verändert. Die Akademie wird überwiegend natürlich belichtet und belüftet. Lediglich sensible Bereiche wie Archiv, Veranstaltungsraum und die Bibliothek mit ihren 70.000 Bänden sind klimatisiert. Die drei Kuben entstanden als Haus-im-Haus-Konzept in eigenständiger CO2-neutraler Holzbauweise.

Es ist auch der raue Charme der eingesetzten bzw. vorhandenen Materialien, welcher die Qualität des Gebäudes ausmacht. Dazu trägt unter anderem der Fußboden bei. Um die technischen Anforderungen der Akademie zu erfüllen, wurden zwei unterschiedliche Hohlraumbodenkonstruktionen auf den vorhandenen Hallenboden gesetzt. Bei dem einen System handelt es sich um eine selbsttragende Konstruktion mit einer speziellen Plattenrezeptur. Daneben wurde auch eine Stützenkonstruktion mit geschlossener Bodenfläche verwendet, die sich aus Schalungselementen und einer Anhydritestrich-Decklage zusammensetzt.

Beide Hohlraumsysteme erhielten als oberste begehbare Lage eine Beschichtung mit DesignFloor von Saint-Gobain Weber. Dabei handelt es sich um eine werksmäßig hergestellte, zementgebundene, polymermodifizierte Bodenausgleichsmasse, die als oberflächenfertiger Belag eingesetzt wird. Dieser DesignFloor eignet sich insbesondere für mechanisch stark beanspruchte Bodenflächen aus Beton bzw. Zementestrich im Innenbereich mit hohen Anforderungen an die Ebenheit, wie sie in Museen und Ausstellungen gegeben sind. Die pumpfähige Masse ließ sich vor Ort einfach und schnell verarbeiten und in einer Dicke von 8 bis 10 mm aufbringen. Das mechanisch hoch belastbare Material besitzt einen hohen Eindringwiderstand gegen Chlorid, ist diffusionsoffen und hat eine geprüfte Rutschsicherheit von R 10.

Der Fußboden der Akademie erhielt durch weber.floor 4650 die vom Architekten  gewünschte optisch und haptisch neutral und natürlich wirkende Anmutung. Zudem erlaubt das Material die Gestaltung puristischer, weitgehend fugenloser Fußböden. Auch in anderen seiner Museumsbauten hat Libeskind auf den Weber DesignFloor zurückgegriffen, wie beispielsweise im Militärhistorischen Museum in Dresden.

Architektur des Erinnerns unterstützt den Dialog

Die neue Akademie des Jüdischen Museums verbindet Tradition und Moderne, Historie und Zukunft auf ungewöhnliche Weise. Nicht nur von ihren Inhalten her, sondern auch gestalterisch und in ihrer Materia­lität setzt sie Maßstäbe. Daniel Libeskind: „Ich glaube, dieses Gebäude wird alle Besucher, die die Einrichtung zu nutzen wissen, sehr positiv beeinflussen. Die Akademie erweitert den Umfang des Wissens, der Erinnerung und des positiven Handelns für die Zukunft Berlins, für die jüdische Kultur und die Öffentlichkeit im Allgemeinen.