Wohnen am Butzweilerhof, Köln

Auf dem Flugplatz zu Hause

Einst bei Flugpionieren als „Luftkreuz des Westens“ bekannt, herrscht am ehemaligen Flughafen Köln-Butzweilerhof wieder Aufbruchstimmung. Dort entsteht derzeit eines der größten Wohnungsbauprojekte der Stadt. Die Fassaden erinnern an die bedeutende Luftfahrtgeschichte des Ortes.

Wie viele Städte in Deutschland wächst auch Köln und braucht neue Wohnungen. Dabei gerät der Wohnungsmarkt gerade im unteren Preissegment zunehmend unter Druck. Die GAG Immobilien AG, vor mehr als 100 Jahren mit dem Zweck gegründet, erschwinglichen Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung zu schaffen, investiert daher bis 2021 eine Milliarde Euro in Neubau und Modernisierung. Von den rund 5.800 geplanten Wohnungen sind allein 3.750 Neubauten, zum großen Teil öffentlich gefördert.

Neue Wohnungen auf alten Konversionsflächen
Eines der umfangreichsten Projekte befindet sich auf dem Gelände des früheren Flughafens Köln-Butzweilerhof im Stadtteil Ossendorf. Hier schrieb bereits der Kölner Flugpionier Jean Hugot Geschichte. Ihm gelang es 1910 erstmals, seine Flugmaschine für wenige Sekunden in die Luft zu bringen. Von da an ging es rasant aufwärts: Bereits 1912 entstand ein Militärflugplatz, und schon Ende der 1920er Jahre hatte sich der Butzweilerhof zum international vernetzten „Luftkreuz des Westens“ entwickelt, bis er schließlich durch den neuen Flughafen Köln/Bonn abgelöst wurde. Mit dem Abzug der letzten Heeresflieger war 1995 endgültig Schluss. Die alten Hauptgebäude stehen seitdem unter Denkmalschutz. Auf den militärischen Flächen entstand ein Gewerbegebiet, das sich zum Medienstandort für das damals aufstrebende Privatfernsehen entwickelte.

Öffentlich geförderter und frei finanzierter Wohnraum
Zwischen diesen Konversionsflächen im Norden und der ehemaligen Rollbahn im Süden herrscht nun erneut Pioniergeist. Bereits 2013 konnte das Kasseler Architektur- und Stadtplanungsbüro Baufrösche ein Gutachterverfahren gewinnen, das die Entwicklung eines Wohnquartiers vorsah. Auf drei der fünf festgelegten Baufelder errichtet die GAG in den nächsten Jahren über 400 neue Wohnungen. Mehr als 250 davon sind öffentlich gefördert, was dem großen Bedarf in Köln an bezahlbarem Wohnraum Rechnung trägt. Mit den frei finanzierten Wohnungen sorgt die GAG für eine soziale Durchmischung des neuen Quartiers.

Hochwertige Architektur als Standortfaktor
Die GAG, bereits mehrfach mit dem Deutschen Bauherrenpreis ausgezeichnet, setzt auch am Butzweilerhof auf eine vielfältige und hochwertige Architektur. So wurden für die drei Baufelder drei verschiedene Architekturbüros beauftragt. Die Gebäude von Astoc Architects and Planners und Kubalux sollen bis 2019 fertiggestellt werden. Bereits Ende 2017 sind die Mieter in die ersten Wohnungen des Baufelds 3, geplant von Molestina Architekten, eingezogen.

An den Außenkanten der Baufelder umfassen die Neubauten sechs Vollgeschosse und schirmen so die Immissionen des benachbarten Gewerbestandorts ab, ohne den denkmalgeschützten Flugaufsichtsturm zu überragen. Im Innenbereich werden es Gebäude mit vier Vollgeschossen sein. Dank Tiefgaragen werden hier großzügige Freiflächen mit hoher Aufenthaltsqualität möglich. Alle Wohnungen bieten zeitgemäßen Wohnkomfort und sind im Erdgeschoss barrierefrei, in den übrigen Etagen barrierearm ausgestattet.

Innerhalb der aus dem städtebaulichen Wettbewerb vorgegebenen Kubatur entwickelten Molestina Architekten Fassaden mit dezenter Farbgebung in zurückhaltenden Blau- und Beigetönen. Dieses Farbkonzept wurde gemeinsam mit der GAG-Planungsabteilung entwickelt und wird später mit den Fassaden der weiteren Baufelder harmonieren. Ihren Charakter erhalten die Gebäude durch die größtenteils bodentiefen Fenster und großzügigen Balkone. In die metallenen Brüstungen eingestanzte Flugzeuge, Luftschiffe und Helikopter stellen dabei den Bezug zur Historie des Ortes her.

WDVS mit Edelkratzputz für langlebige Fassaden
Dass man trotz Kostendruck dauerhaft und hochwertig bauen kann, belegt die Wahl des Fassadenmaterials. Hier setzen Bauherr und Architekten auf das Wärmedämm-Verbundsystem weber.therm A 100. Es besteht vom Kleber bis zum Oberputz aus mineralischen Rohstoffen und basiert auf Mineralwoll-Dämmplatten mit einem Wärmeleitwert von 0,035 W/mK. Dieser homogene diffusionsoffene Systemaufbau ermöglicht einen optimalen Feuchtigkeitshaushalt und ermöglicht dank Baustoffklasse A1 maximalen Brandschutz ohne Zusatzmaßnahmen.

Den Abschluss des Systems bildet ein dickschichtiger mineralischer Edelkratzputz. Am Butzweilerhof wählten die Planer eine feine und dezente Körnung mit Jura-Strukturkorn und dem im Sonnenlicht glänzenden Mineral Glimmer. Obwohl es sich um eine Oberfläche mit hohem handwerklichen Anspruch handelt, bieten sich, auf den Lebenszyklus bezogen, einige Vorteile, denn als Besonderheit dieser Putztechnik liegt beim Edelkratzputz das Strukturkorn frei an der Oberfläche. Der Mörtel wird bereits im Werk durchgefärbt und muss auch langfristig nicht überstrichen werden. Ein leichtes Absanden trägt zusätzlich zur Selbstreinigung der Oberfläche bei. Auf diese Weise unterstützt die wartungsarme Fassade den Anspruch der GAG, ihren Mietern auch zukünftig erschwinglichen Wohnraum bieten zu können.

Daten + Fakten

Objekt
Wohnen am Butzweilerhof, Köln-Ossendorf

Bauherr
GAG Immobilien AG, Köln

Architekt
Molestina Architekten, Köln (Entwurf Baufeld 3)
Meuterarchitekturbüro, Köln (Ausführung)

Fassade
Volker Kuphal – Putz und Stuck GmbH, Ratingen

Fotograf
Olaf Rohl, Aachen

Damit wurde gebaut

WDVS
weber.therm A 100,
​vollmineralisches Wärmedämm-Verbundsystem

Oberputz
weber.top 204, mineralischer Edelkratzputz
mit Jura-Strukturkorn und Glimmer

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