Weinkompetenzzentrum Krems

Futuristisch statt traditionell

Als „Poesie der Erde“, bezeichnete der italienische Schriftsteller Mario Soldati den Wein. So betrachtet handelt es sich bei dem neuen Weinkompetenzzentrum im österreichischen Krems an der Donau um eine wahre Dichterschmiede.

Wein ist Kulturgut und bereichert die Menschheitsgeschichte bereits seit Jahrtausenden. Im Mittelalter feierte der Weinanbau auch in unseren Breitengraden erste Höhepunkte, seither sind die edlen Tropfen aus dem bürgerlichen Leben kaum mehr wegzudenken. Das gilt bis zur Gegenwart: Bei der jüngeren Generation ist der Weingenuss mehr denn je „en vogue“. Und so präsentieren sich auch viele Weingüter heutzutage als touristische Attraktion, deren ansprechende Architektur meist zwischen Tradition und Moderne angesiedelt ist und oft deutliche regionale Bezüge aufweist.

Einen Schritt weiter geht das im November 2013 eröffnete Weinkompetenzzentrum Krems in der österreichischen Wachau. Hier erinnert nichts mehr an den herrschaftlichen Stil der klassischen Winzer-Residenzen. Vielmehr verweist der futuristisch anmutende Baukörper des ortsansässigen Büros Mang Architekten auf eine Philosophie der Schulung, Forschung und Weiterentwicklung des Weinbaus, durch die man auch in Zukunft dem Geschmack des anspruchsvollen Publikums gerecht werden will. Dabei liegt die Messlatte der Qualitätswinzer aus Krems durchaus hoch: Zählen doch Grüner Veltliner und Riesling – die beiden wichtigsten Sorten des 2.243 ha großen Weinbaugebietes Wachau – zu den besten Weißweinen weltweit.

Weder traditionell noch historisierend
Der mutige Ansatz der Architekten überrascht: Die gesamte Region blickt auf eine Winzertradition zurück, die bis ins frühe Mittelalter reicht. Noch heute manifestiert sich diese Geschichte in den historischen Gebäuden, Plätzen und Straßenzügen der Stadt Krems und der umliegenden Weinorte. Ein reizvolles, einheitliches Ambiente, das die UNESCO veranlasste, die Kremser Altstadt in den Status eines Weltkulturerbes zu erheben.

Fauna der Weinberge als Gestaltungsidee
Doch statt die historischen Bezüge direkt aufzunehmen, griffen Mang Architekten auf Assoziationen aus der Tierwelt der Weinberge zurück: Nach dem Bild einer auf einem Stein liegenden Smaragdeidechse gliedert sich das Weinkompetenzzentrum Krems in zwei aufeinanderliegende Gebäudeteile: Auf einem ruhenden Gebäudesockel aus gestrahltem Stahlbeton sitzt ein metallisch schimmernder, L-förmiger Baukörper. Mit seiner schuppenartigen Struktur nimmt er Bezug zu den vielfältigen Farben des Weinlaubs und der Haut der Smaragdeidechse.

Um sowohl das in den Hang eingeschnittene Erdgeschoss, als auch das Obergeschoss ebenerdig betreten zu können, haben Mang Architekten die leichte Hanglage geschickt genutzt: Während das Erdgeschoss auf der Nordseite weit in den Hang geschoben ist, wurde das Gelände im Süden leicht abgesenkt. Hier münden die dem Produktionsablauf des Weines folgenden Funktionsbereiche in einen Verkostungsraum sowie einen großzügigen Vorplatz unterhalb der Obergeschoss-Auskragung.

Modernste Technik im Weinkeller
Das Weinkompetenzzentrum verfügt über moderne Anlagen für eine professionelle Weinproduktion und Lagerung. Die Ausstattung der Traubenverarbeitung und Vergärung, die Tank- oder Fassreifung und die Abfüllanlage sind auf dem neuesten Stand der Technik. Längst vorbei sind die Zeiten feuchter Gewölbekeller, wie man sie traditionell mit der Weinherstellung verbindet. Hygiene und kontrollierte Lagerbedingungen sind oberstes Gebot. Um die Kellerbereiche dauerhaft abzudichten, entschieden sich die Architekten für weber.tec Superflex 100. Rund 600 Quadratmeter erdberührte Flächen wurden mit dem Abdichtungssystem ausgeführt. Die hochflexible 2-Komponenten-Bitumendickbeschichtung eignet sich im Besonderen für die erdberührte Außenabdichtung von Kellerwänden, Bodenplatten, Fundamenten und Tiefgaragendecken. Der Auswahl der Abdichtungsmaterialien kam dabei vor allem aufgrund des gewünschten raschen Baufortschritts, aber auch durch die hohe Feuchte im Erdreich eine besondere Bedeutung zu.

Neben den Produktionsbereichen verfügt das Kompetenzzentrum über Seminarräume für Weiterbildungen sowie mehrere Labors für önologische Versuche. In einem speziell ausgerüsteten Sensorikraum werden die Landweine der Region in Blindverkostungen getestet. Durch eine spezielle RGB-Beleuchtung kann die Farbe des Weins derart verfälscht werden, dass sie keine Rückschlüsse auf die Weinart zulässt.

Ebenfalls im Weinkompetenzzentrum untergebracht ist die Außenstelle Krems des Bundesamtes für Weinbau: Sie analysiert und untersucht jährlich rund 9.500 Qualitätsweine von rund 2.500 Weinbaubetrieben. Hinzu kommen weitere 7.000 Privatproben. Durch die unmittelbare Nähe zur Bezirksbauernkammer Krems ist somit ein konzentriertes Bildungs- und Beratungszentrum mit Strahlkraft für die ganze Region entstanden.

Daten + Fakten

Objekt
Neubau Weinkompetenzzentrum Krems/Donau

Bauherr
Land Niederösterreich

Architekt
Mang Architekten, Krems/Donau, DI Christian Mang,
Ing. Hermann Haider

Fotograf
Mang Architekten / Fa. Prefa

Damit wurde gebaut

Bautenschutz
weber.tec Superflex 100 hochflexible, rissüberbrückende
2-Komponenten-Bitumendickbeschichtung zur erdberührten
Außenabdichtung, als Zwischenabdichtung unter Terrassen
sowie zur Verklebung von XPS-Hartschaumplatten

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