Industrieböden

Diese Böden würden Walter und Ludwig gefallen

Die Orientierung an der Funktion und eine hohe Variabilität der Nutzung sind wichtige Prinzipien der bauhaus-Architektur, die (nicht nur) die Industriearchitektur bis heute prägen. Die Bauhaus-Architekten legten ihr Augenmerk zwar eher auf Tragwerk und Fassade, aber die schlichten, funktionalen Industrieböden von heute hätten Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius sicher auch zugesagt. Die Technik hat sich allerdings seit Weimar und Dessau weiterentwickelt – folgende Aufbauempfehlungen würden wir den Meistern heute geben.

Bodenflächen sind ein entscheidender Bestandteil der betrieblichen Infrastruktur, ob zur Verankerung von Maschinen, als Transportwege, Arbeits- oder Lagerfläche. Sie sollten, ausgehend von der späteren Art der Beanspruchung, sorgfältig geplant werden. Der Aufbau eines Industriebodensystems erfordert in der Regel vier Schritte: Untergrundvorbereitung, Grundierung sowie das Aufbringen einer Ausgleichsschicht und einer Beschichtung auf Basis von Zement oder Reaktionsharz. Die Wahl des Materials hängt von der Beschaffenheit des Untergrunds sowie den zu erwartenden Belastungen ab. Die entscheidende Kennzahl für den Untergrund ist die Oberflächenzugfestigkeit. Sie wird gemessen in Newton pro Quadratmillimeter. Für viele Anwendungen in der Industrie ist eine Oberflächenfestigkeit von 1,5 N/mm² erforderlich.

Grundlegend: die Grundierung
Die Grundierung dient insbesondere zur Haftverbesserung sowie zur Optimierung des Saugverhaltens zwischen dem Untergrund und der nachfolgenden Ausgleichsschicht. Man unterscheidet zwischen Dispersionsgrundierungen und solchen auf Basis von Reaktionsharzen. Dispersionsgrundierungen kommen häufig im Neubau zum Einsatz, da hier in der Regel eine Betonplatte und darunter eine funktionsfähige Bauwerksabdichtung vorhanden ist. In der Sanierung, in der Planer auf unterschiedliche Untergründe und unbekannte oder mangelhafte Abdichtungen treffen, werden vorrangig Reaktionsharzgrundierungen eingesetzt.

Sorgen für Ebenheit: Ausgleichsmassen
Die Ausgleichsmasse bildet den optimalen Untergrund für alle späteren Beschichtungen. In der Praxis haben sich mineralische, zementgebundene Ausgleichsmassen bewährt. Wichtige Aspekte für die Auswahl des geeigneten Produkts sind die Belastung, die geforderte Schichtdicke, sowie die Zeitdauer bis zur Beschichtung. Ist der Boden eben und tragfähig genug und die erforderliche Höhe vorhanden, kann auf eine Ausgleichsmasse verzichtet werden. Dies ist im Neubau häufiger gegeben als in der Sanierung. Ausgleichsmassen können in einer Bandbreite von 4 mm bis maximal 50 mm eingebaut werden. Sind höhere Schichtdicken erforderlich, kann man in Absprache mit derm Hersteller statt einer Ausgleichsmasse einen Industriefließestrich wählen, beispielsweise den hochbelastbaren Industrie-fließestrich weber.floor 4605.

Oberflächenfinish: die Beschichtung
Im Industriebau wird in der Regel kein klassischer Oberbelag verlegt. Den Abschluss des Fußbodenaufbaus bildet vielmehr ein Beschichtungssystem aus einer oder mehreren Schichten. Die Beschichtung schützt den darunterliegenden Fußbodenaufbau gegen äußere Einflüsse wie Feuchtigkeit und Chemikalien und sorgt so für die langfristige Funktionsfähigkeit. Planer haben dabei wiederum die Wahl zwischen zementären Beschichtungen und Beschichtungen auf der Basis von Reaktionsharz. Klassische Auswahlkriterien sind mechanische und chemische Belastungen, Feuchtigkeitsbeanspruchung, Rutschhemmung, Ableitfähigkeit und Reinigungsfähigkeit bzw. die Kombination dieser Aspekte. Je nach Nutzung und rechtlichen Regularien müssen die eingebauten Systeme auch über spezielle Prüfzeugnisse und Zulassungen verfügen, beispielsweise eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder einen Nachweis der Rutschfestigkeit.

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